Die Seite öffnet sich, Buttons funktionieren, das Design stimmt – also alles in Ordnung? Nicht unbedingt. Die teuersten technischen Probleme sieht man im Browser nicht: Sie zeigen sich nur dem Crawler oder in den Daten der Search Console. Jahrelang weiß der Inhaber nicht, dass die Hälfte der Seiten nicht im Index ist und Google Zeit mit Duplikaten statt mit wichtigen Seiten verbringt.
Ein technisches Audit prüft die Website mit den Augen des Crawlers: wie er Seiten durchläuft, was er sieht, was er indexiert und wo er stolpert. Hier sind die zwölf häufigsten Fehler. Fast jeder lässt sich nur mit speziellen Werkzeugen erkennen.
1. Wichtige Seiten sind von der Indexierung ausgeschlossen
Ein noindex aus der Entwicklungsphase oder eine Sperre in der robots.txt – und die Leistungsseite existiert für Google nicht. Der Klassiker: Die Testseite war gesperrt, beim Umzug auf die Live-Domain wurde die Sperre vergessen.
So finden Sie es: Indexierungsbericht in der Google Search Console, robots.txt und Robots-Meta-Tags prüfen.
2. Eine Sitemap voller Altlasten
In der Sitemap stehen gelöschte Seiten, weitergeleitete URLs und Systemseiten, neue Bereiche fehlen. Google erhält widersprüchliche Signale und verschwendet Crawling-Ressourcen.
Lösung: Die Sitemap wird automatisch erzeugt und enthält nur aktuelle, indexierbare Seiten.
3. Weiterleitungsketten und -schleifen
Die alte URL führt auf eine Zwischenadresse, diese auf eine dritte, diese auf die neue. Jeder Schritt verlangsamt das Laden und schwächt die Weitergabe von Linkkraft. Schleifen machen eine Seite sogar unerreichbar.
Lösung: Jede alte URL mit genau einer 301-Weiterleitung direkt aufs Ziel.
4. Doppelte Seiten
Dieselbe Seite ist mit und ohne www erreichbar, mit und ohne Schrägstrich, mit Filter- und Kampagnenparametern. Für Google sind das verschiedene Seiten mit identischem Inhalt.
Lösung: eine Hauptversion der Domain, korrekte Canonicals, saubere Parameterbehandlung.

5. Wichtiger Text erscheint erst nach JavaScript
Produktbeschreibung, Bewertungen oder Preise werden per Skript nachgeladen. Google kann JavaScript ausführen, aber nicht immer sofort und vollständig. Im Index landet dann eine leere Seite.
So prüfen Sie es: Das URL-Prüftool der Search Console zeigt, was der Crawler gesehen hat. Lösung: serverseitiges Rendering wie bei Next.js oder Kerninhalte direkt im HTML.
6. Falsches Canonical
Das Canonical-Tag sagt Google, welche Version die Hauptseite ist. Ein Fehler – etwa alle Produkte verweisen auf die Kategorieseite – kann Hunderte Seiten aus der Suche „verstecken”.
7. Defektes hreflang bei mehrsprachigen Seiten
Deutsche und russische Version sind nicht verknüpft, oder die Verweise zeigen auf nicht existierende URLs. Dann sehen Nutzer die falsche Sprachversion, und die Versionen konkurrieren miteinander.
8. Schwache Core Web Vitals
Drei Kennzahlen, mit denen Google die Nutzererfahrung bewertet:
| Kennzahl | Was sie misst | Typische Ursache |
|---|---|---|
| LCP | wie schnell das Hauptelement erscheint | schwere Bilder, langsames Hosting |
| INP | wie schnell die Seite auf Eingaben reagiert | viel JavaScript, überflüssige Plugins |
| CLS | ob das Layout beim Laden springt | Bilder und Banner ohne feste Maße |
Seit März 2024 hat INP den früheren FID ersetzt – viele ältere Berichte berücksichtigen das nicht.
9. 404-Fehler und defekte Links
Interne Links führen auf gelöschte Seiten, Buttons ins Leere, externe Seiten verlinken auf Adressen, die es nicht mehr gibt. Jeder solche Link kostet Besucher und Linkkraft.
10. Gemischte Inhalte und HTTPS-Probleme
Die Seite läuft über HTTPS, einzelne Bilder oder Skripte aber über HTTP. Der Browser blockiert sie oder warnt – das Vertrauen sinkt.
11. Externe Dienste vor der Einwilligung – ein DSGVO-Risiko
Google Fonts von Google-Servern, Karten, Videos und Werbepixel laden, bevor der Besucher zustimmt. Das ist ein technisches und rechtliches Risiko: In Deutschland haben solche Fälle bereits zu Klagen und Abmahnungen geführt.
So finden Sie es: Seite im Inkognito-Modus öffnen und in den Entwicklertools prüfen, welche Anfragen vor der Einwilligung rausgehen.
12. Fehler in strukturierten Daten
Die Auszeichnung stimmt nicht mit dem Sichtbaren überein: alter Preis, andere Adresse, Bewertungen, die auf der Seite fehlen. Google ignoriert die Daten oder meldet Warnungen in der Search Console.

Warum Inhaber das nicht bemerken
Inhaber sehen die Seite wie Besucher – und alles funktioniert. Der Crawler sieht Code, Server-Antworten, Verknüpfungen zwischen Seiten. Fehler sammeln sich leise an: nach Updates, Umzügen, neuen Plugins, Redesigns. Sichtbar wird erst die Folge – sinkende Rankings oder Anfragen.
Was Sie nach dem Audit erhalten
- eine Liste aller Probleme, nach Dringlichkeit sortiert;
- verständliche Erklärungen, warum jedes Problem bremst;
- konkrete Anleitungen zur Behebung;
- Prioritäten: was sofort, was später;
- Empfehlungen, wie sich die Fehler künftig vermeiden lassen.
Wann die Prüfung besonders wichtig ist
- vor und direkt nach einem Redesign oder Plattformwechsel;
- bei sinkendem Traffic oder fallenden Rankings;
- wenn verschiedene Dienstleister an der Seite gearbeitet haben;
- vor dem Start von Werbung oder SEO-Arbeit;
- einmal jährlich als Routine-Check.
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